Thursday, June 19, 2008

Kindergeburtstag

Solang man unter Strom steht, braucht man keinen Schlaf

Um den ersten Juni herum wollte ich nach Dresden fahren. Offiziell um meinen neuen Rechner vor Ort im Computerladen abzuholen, inoffiziel sollten Cativo und Hedj am Samstag auflegen. Als Opfer des elektronischen Bankverkehrs ließ ich zuvor meine Karte im Überweisungsautomaten stecken, so dass diese in den nächsten 2 Wochen eine längere Reise unternehmen würde, als ich in den nächsten Jahren. Doof nur, dass mir dies erst 20 Minuten vor der Abfahrt auffiel. Ich bekam also zuerst schlechte Laune, danach Geld von meiner Mitbewohnerin, und als nächstes auf dem Einwohnermeldeamt die Auskunft, dass ich in Leipzig abgemeldet sei. (Ich brauchte mal wieder einen Ausweis, um an meine Karte zu gelangen). Ich sagte meiner Mitfahrgelegenheit ab, wechselte diverse T-Shirts und rief in Dresden an, dass ich mein Würstchen wohl etwas später auf den Grill legen würde. Gerade war ich dabei, eine Sicherstellung meiner Liquidität mittels Bargeld zu erreichen, als mein Großvater anrief, um mir mitzuteilen, dass seine de facto Schwiegermutter das Zeitliche gesegnet hat. Fuck. Für sie war es ne Erlösung, aber das hätte ich jetzt nicht unbedingt gebraucht. All dies geschah binnen zweier Stunden. Noch eine Krebsdiagnose und eine Scheidung, und ich hätte wirklich ALLES mitgemacht an diesem Tag.
Irgendwie schaffte ich es mit einer neuen Mitfahrgelegenheit nach Dresden, wo wir uns unterhalb des Waldschlösschens zum gemeinsamen Fleischverzehr trafen. Man, war das ein herrlicher Abend. Die Luft hatte die perfekte Temperatur, es roch nach Sommer, abgesehen vom JazzKahn, der gelegentlich vorbei paddelte und einigen Grillen war es vollkommen ruhig. Meine schlechte Laune war verflogen. Die größte Unbill, mit der ich zu kämpfen hatte, waren festsitzende Korken preisgünstiger Rotweinflaschen. Alle „stressenden Elemente“ waren noch unterwegs. Es war einfach nur ein wunderschöner Abend. Nachdem wir uns an Würsten und Sternbildern gelabt hatten, begann unvermittelt ein Feuerwerk. Sehr schön. Die perfekte Umgebung für einen Pilztrip, wenn man so will. Wir packten zusammen, gingen heim, um da die „stressenden Elemente“ zu treffen, welche zum einen meine Fleisch-, als auch meine VitaCola-Versorgung hätten sicherstellen sollen, stattdessen trugen sie im Nachbarland zum Zusammenwachsen der EU bei. Schon schlimm, in dem Alter Geld gegen Liebe zu tauschen.
Am nächsten morgen wurde ich, wie schon so oft, mittels brutalster subtiler Gewalt zur sportlichen Betätigung gezwungen. Halb neun begannen wir die Elbe entlang zu laufen – es war schon zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich heiß. Ein amüsanter Anblick, mich Oberkörper frei hinter einem Kinderwagen eingespannt zu sehen. Die Sonne - die gelbe Sau. Nicht nur unsere wichtigste Energiequelle, sondern auch die Zeit saßen mir im Nacken. Ich hatte mal wieder einen Friseurbesuch nötig – bei hübschen Frauen versteht sich. Duschen, Neustadt, Termin ausmachen, Vanille-Milchshake besorgen und lesend im Park sitzen, bis man meiner Haarpracht zu Leibe rücken würde. Wäre ich doch nur 1 Minute zu spät gekommen, hätte ich die hübscheste der 3 Mädels abbekommen, so musste ich leider mit der vitalsten Vorlieb nehmen. Schlimm – man konnte uns im ganzen Laden hören, die Anderen kamen nicht umhin, ständig über unser Geschwätz zu lachen. Man hat versucht mir den Unterschied zwischen Gel und Wachs nahe zu bringen – es blieb bei dem Versuch.
Mit geschätzten 10kg weniger Haaren auf dem Kopf ging es nach Radeberg, wo mich ein Mittagessen erwartete. Mein Vater fuhr mich anschließend nach Dresden zurück, wo ich erst ein paar Babysitter beleidigte um dann bunt bedruckte Papiere gegen einen Haufen Silizium und Kunststoff einzutauschen. Man hatte uns zur Filmpremiere eines Freundes eingeladen, eine Doku über die Waldschlösschenbrücke. "Schloss Albrechtsberg 17.00" hieß es noch Freitagabend. Um fünf an besagtem Ort war nichts. Das ganze fand dann 4 Stunden später am Postplatz statt – naja, gleich um die Ecke eben.

Des Abends wollte ich mich mit einem Freund vor Party auf Kaffee und Cheeseburger treffen, da ich aber, wie schon so oft, die Bahn verpasst hatte, musste ich mir ein Taxi von der Straße fangen, was gar nicht so einfach war. Wir fuhren dann auf die E. Am Eingang, ich war gerade am bezahlen, kommt der Türsteher auf mich zu, und meinte, ich sei hier auf der falschen Party. Hmm, dachte ich. Aber er hatte Recht, mein Eingang war rechts daneben, denn heute sollte es ein Open-Air geben. Ich kam mit einer „nicht geringen Menge“ Naschwerk problemlos am Türsteher vorbei, während man meinem Begleiter sein Messer abnahm. Gemein. Angekommen, es war halb 2, dachte ich, wir seien im falschen Film. Kindertag wurde hier falsch interpretiert. Kaum eines der Mädchen schien über 16 zu sein, und die kleinen Jungs mussten sich allerhöchstens ihren Milchbart rasieren. Der reinste Kindergeburtstag! Bevor man hier was abschleppt, muss man sich erstmal den Ausweis zeigen lassen. Naja, ich besorgte uns ein Bier, wobei zwergenhafte 16-jährige mir den Weg zur Bar verstellten. Danach verteilte ich meine Mitbringsel an meine Freunde und wir machten uns auf den Weg zur Tankstelle.
Ihr hättet das Pack auf Party sehen sollen. Emos, die versuchen auf dnb abzugehen – womit hat diese Musik das verdient?! Noch dazu war der Sound mies und die Lichttechnik funktionierte auch nicht, 2 Minuten Flutlicht auf ner dnb-Party?! Cativo war ganz gut, wie zu erwarten, mein Ellenbogen perforierte die Luft, und nach eingen Sekunden war um mich herum Emo-freie-Zone. So richtig gute Stimmung wollte allerdings nicht aufkommen. Man tingelte zwischen Klo, Bar, Auto, Tanke und Floor hin und her. Nach wie vor widme ich meine Aufmerksamkeit der WC-Forschung: „Hey, ist das normal dass ich Blut pisse?!“ fragt mich jemand. Ich blick zur Decke, er blickt zur Decke. „Du solltest vernünftiges Chrissn rotzen, wenn du es schon brauchst. Dann gibts da auch kein Blut, man!“ entgegne ich ihm. Opfer. Ich hatte nur zu viel Bier. Nicht gut. Schon kurz vor 4 wurde es hell, jetzt schämte sich das minderjährige Pack und Hedj setzte sein Set total in den OpenAir-Sand. Ich war schon fast auf dem Heimweg, da begann der dicke Konnie das ganze noch zu retten.Jeff Smart mag nicht der beste DJ sein, aber immerhin weiß er, was seine Leute hören wollen. Baaaam! Ein Kracher nach dem anderen. Auf einmal nur noch bekannte Gesichter auf dem Floor, so soll es sein. Mir war klar, nach der High-Ranking-Platte wäre ich raus. Ha! Dummer Fehler! High Ranking. Hanni sagt Ciao. Kaum raus, legt der Schlingel diesen hammergeilen Mad-World-Remix auf. Verdammt, verdammt, verdammt, verdammt! Ich lauf von der E bis heim zum Waldschlösschen.
Madl ist schon wach. Naja, ich bekam noch 2 Stunden Schlaf, danach ging nichts mehr. Frühstück, Mittag, Bahn verpasst, Matze angerufen, er fährt mich zum Hauptbahnhof und ich schlaf´ im Zug ein. In Leipzig hatte ich gerade noch Zeit zum Duschen, bevor ich zu Mima und den anderen Mädels musste, um unsere Kampagne voranzutreiben. Ich trank bald eine ganze Kanne Kaffee zusammen mit selbstgemachtem Pesto auf Vollkornspaghetti – kranke Kombination. Bis 1.00 saßen wir noch. Zu Hause habe ich es dann nicht mal mehr ins Bett geschafft, ich bin einfach auf der Couch liegen geblieben. Mad World.

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