Thursday, March 31, 2011

Von Ausgrenzung und Frauen hauen

"Der Islam ist nicht Teil der deutschen Leitkultur und wird es auch in Zukunft nicht sein“, eröffnete Hans-Peter Friedrich, seines Zeichens neuer, deutscher Innenminister die von ihm angetretene Amtszeit. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung äußerte sich der Katholik und Jurist weiter:
„Ich habe gesagt, dass die Muslime selbstverständlich Teil dieser Gesellschaft sind, aber eben auch, dass es keinen historischen Beleg dafür gibt, dass der Islam zu Deutschland gehört. Dass es vier Millionen Muslime bei uns gibt, nehme ich nicht nur zur Kenntnis, sondern wir treten mit ihnen ganz konkret in den Dialog wie etwa bei der Deutschen Islamkonferenz.“

Ein spannendes Weltbild hat dieser Mann, der als Innenminister auch für religiöse Angelegenheiten zuständig ist.
Die Aufgabe eines Politikers ist es nicht Streit, Hass und Zwietracht zu säen, dass ist meine Berufsbeschreibung. Politiker sollen die Zukunft, und wenn möglich die Gegenwart gestalten. Wenn sich H.P. nun zu der Aussage hinreisen lässt, der Islam sei nicht Teil unserer Kultur, dann frage ich mich zuallererst, was denn nun unsere Kultur sei. Klar: Christlich Abendländisch und ob der politischen Korrektheit lassen wir noch ein paar Juden aus den Getthos und schlagen sie unserer Leitkultur zu.

Ist dieser schwarze Türkentrunk, den ich heiß dampfend, köstlich duftend vor mir stehen habe, Teil unserer Kultur, oder doch eher der österreichischen? Ließen doch die Muselmanen damals Kaffeesäcke vor Wien zurück und nicht vor München, wo man zu dieser Zeit (München war damals judenfrei) nur Caro Macchiato in den Straßen(Korn-)Cafés trank.
Es muss ungefähr zu der Zeit gewesen sein, wo der Türke vor Wien stand, als sich die Preußen in Berlin (auch judenfrei) dachten: Hey, religiöse Toleranz, yippie! Juden wurden nicht mehr geköpft oder verbrannt, und aus Frankreich ließ man Hugenotten kommen. Natürlich sind die Hugenotten Teil der deutschen Kultur. Die Schwierigkeiten den Akzent über dem Namen unserers vormaligen Innen- und jetzigen Verteidigungsministers zu setzen zeugen vom französischen Einfluss auf unsere Kultur. Ich habe in letzter Zeit von keiner Integrationsdebatte für Hugenotten gehört, demnach müssen sie integriert und assimiliert sein.

Dreihundert Jahre später erklärt uns ein katholischer (!) Provinzpolitiker, der Islam war in der Vergangenheit nicht deutsch, er kann es auch in der Gegenwart nicht sein und in Zukunft auch nicht.

Vier Millionen Muslime leben in Deutschland. Vier Millionen Deutsche sind Muslime. Diesen jeglichen Einfluss auf unsere Kultur abzusprechen, ist eine Beleidigung eines Ewiggestrigen. Nur weil die Türken damals vor Wien Halt gemacht haben, sollen Muslime heute Bürger zweiter Klasse sein?

Kultur ist wie alles im Leben ein Prozess kein Zustand. Kultur ist einem permanenten Wandel unterworfen. Vietnamesische Kinder sprechen ein breiteres Sächsisch als ich, man isst Pasta statt Nudeln und Heinrich Heine zählt zur Krone deutscher Dichtkunst (...den haben wir den Juden weggenommen).

In Dreihundert Jahren haut der kleine Paul den kleinen Mohammed mit der Schippe aufn Kopp, während die Kleine Ayşe der kleinen Bärbel ´nen Kaugummi in die Haare klebt. Hans-Peter Friedrich wird in jener Zeit nichtmal mehr im Index gymnasialer Geschichtsbücher zu finden sein. Politiker wie er, mit überkommenen Weltbildern, mit Werten die bloße Worthülsen sind, unter religiöser Behinderung leidend sind ärgerlich dumme Atavismen. Solche Leute sollen unsere Zukunft gestalten?

Alle Christen sind Frauenschläger, Alkoholiker, Kinderschänder und wenn sie gerade keinen Chorknaben zur Hand haben, vergehen sie sich an Schafen. Deutsche Leitkultur.

Tuesday, March 29, 2011

03/29/17:07

Three years of wisdom, supremacy and awesomenes.
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Monday, March 28, 2011

...und in zwei Wochen ist dann Kommunismus

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Deutsch Süd-West ist nicht mehr. In zwei Wochen ist ganz Baden-Württemberg kommunistisch. Die roten Horden stürmen die Stuttgarter Staatskanzlei. Niemand mehr wird das Privateigentum achten: Große Konzerne werden verstaatlicht, den Franzosen entrissen. Koste es was es wolle. Die schwäbische Sparsamkeit war einmal.

Ohne Rücksicht auf das tapfere, Entbehrungen gewohnte Volk der Schwaben und Badenser werden hanebüchene Infrastrukturprojekte in den Boden gestampft. Entstehende Brachen, verwüstete Lande werden zugepflastert mit Sozialbauten für notleidende Witwen, Banker und Konzernlenker. Jeder Widerstand, jedwede Meinungsäußerung wird im Keim erstickt werden, von den ernannten Volksvertretern.

Wieviele Schulden werden die linken Lumpen im Stuttgarter Landtag anhäufen, um schließlich die schwäbische Schwerindustrie mit Staatsgeldern zu päppeln? Bescheidene Automobilbauer werden zu ruchlosen Rüstungskonzernen.

Mit allen Mitteln wird das Pack der Populisten versuchen sich an der Macht zu halten. Vier Jahre – das ist nichts in Württembergischen Dimensionen. Ohne 58 Jahre Herrschaft, ohne Jahrzehnte der Seilschaften, des Klüngels und der Vetternwirtschaft wird keiner dieser Staatsgläubigen in das EU-Parlament wechseln.

Das konservative, das bewahrende Element ist verlorengegangen, durch die Gedankenlosigkeit des blöden Stimmvolks. Jenes Element, das in der Lage war jegliche Wogen der populistische Aufwallung durch Beharrungsvermögen, Besonnenheit und eine ruhige Hand zu glätten.

Oh wie wird sich das von grün-roter Halsstarrigkeit und polarisierenden Dampflplauderern unterjochte Volk – eingeklemmt in der Falle zwischen verkommenen Franzosen, überheblichen Schweizern und grobschlächtigen Bajuvaren – oh wie wird sich dieses Volk nach einem besonnenen, auf Ausgleich bedachten Landesvater zurücksehnen. Einem Mittler zwischen den Welten, einem Mann, der die Sorgen und Nöte seines Volkes versteht, der seinen bulligen Charakterkopf hinhält, für seine Schwaben, die ihn auserwählt haben, sie zu führen. Oh wie wird sich das unter kommunistischer Knute ächzende Volk der Badenser und Schwaben sehnen, nach einem Führer der Freiheit und der Liebe wie Stefan Mappus.


Auch toll: Mehr Mitleid mit Mappus

Saturday, March 26, 2011

Agenda-Setting

Was ward nicht alles an großem Stuss geschrieben, wir hatten Rosen, wir hatten Orangen, wir hatten Nelken und wir hatten Jeans ... –Revolutionen. Eine Angst treibt uns um, die Angst vor der Facebook-Revolution in Ägypten. Ich weiß, irgendwo da draußen, da sitzt er, der Journalist, der nur auf den Inhalt wartet, um jenem dieses Schlagwort überzustulpen. Wie schrecklich: Der Traum jedes PR-lers.

Schon wieder saßen wir grübelnd über unsere Tastaturen gebeugt. We need to come up with a name. We have to brand it. We must use this opportunity! Something big is going on down there. A whole region, a continent (culturally speaking) is in uproar. This thing is bigger than Fukushima, this thing is even bigger than 9/11.
And yet, we have no name for it.

It is one of the few things I still get sentimental about: These people risking their lives, they go out, on the streets, knowing they could be killed. And yet, they go out, they raise their voice.
Demos. People.

It is hard to keep track. Anyone remembers Egypt? Tunisia? Anyone? Libya, okay, Syria, Bahrain, Jordan, Yemen. I am sure I forgot some.
It is not an uproar in one country, and another uproar in another one. Arabia burning.
But it´s no panarabic revolution either. It is a big fucking thing. And I am not able – right now – to cope with it in words.

“Heißer Herbst” das ist der Gold-Standard für journalistische Verschlagwortung. Doch die RAF 1977 war weltweit nicht ansatzweise so bedeutsam wie die Vorgänge im Maghreb und der arabischen Halbinsel.
Was haben wir schon alles gewälzt: Frühling der Freiheit, Heißes Frühjahr, Martyrium der Maghrebiner... wir stecken fest in vorgetretenen Pfaden.

Es muss eine Begrifflichkeit sein, welche die gesamte Region einschließt. Etwas globales. Es muss etwas aktives sein, das macht sich so gut in Überschriften. Es muss kurz, prägnant und bestenfalls pointiert sein. Es muss die positiven Energien transportieren, so dumm es klingt.
Aufruhr geht gar nicht! Aufruhr klingt nach marodierendem Pöbel. Auf Ruhr in Ägypten. Es muss die Gemeinsamkeiten herausstellen, und die Unterschiede vernachlässigen. Das Große, das große Ganze muss sichtbar werden, das Gewaltige soll offensichtlich sein. Es darf nicht zu pathetisch sein, cause it sounds pathetic. Der Aufstand der Araber. Viel zu kompliziert, es hieß auch nicht der Aufstand von denen, die Orange zu ihrem Zeichen auserkoren.

Der Arabische Aufstand

Ich brauche ein Schlagwort! Ich brauche eines!

Monday, March 21, 2011

How did our oil get under their sand?

Es gibt keine richtigen Entscheidungen. Zehn Jahre Afghanistan-Krieg fuhren den deutschen Außenpolitikern ins Mark. Nur zu gut ist Union und FDP das „Ja“ zum Irak-Krieg und die dadurch verlorene Wahl in Erinnerung geblieben.
Mit Kriegen gewinnt man – in Deutschland – keine Wahlen. Und wenn es 2011 etwas zur Genüge gibt, dann diese.
Unter solchen Vorzeichen hätte ein jeder „Nein“ zur Libyen betreffenden UNO-Resolution gesagt.

Es gibt keine richtigen Entscheidungen... und auf einmal steht die deutsche Diplomatie auf Seiten der Diktatoren und Despoten.
„Deutschland wird sich an einer Intervention in Libyen beteiligen.“ die Meinungsspalten wären voll von Populismus- und Kriegstreibervorwürfen. Nun ist man halt Despotenfreund.

Ich bin mir nicht sicher, ob eine militärische Option in Libyen das richtige Mittel ist. Wir greifen in die Souverenität eines unabhängigen Staates ein. Wenn das Volk nicht in der Lage ist, den Umsturz herbeizuführen, ist die Zeit für eine Revolution noch nicht reif. Paar tote Revoluzer, Libyen leidet ohnehin unter zu hohem Bevölkerungswachstum und massiver Jugendarbeitslosigkeit (In meinen Augen das ausschlaggebende Element der Unruhen im Maghreb und der arabischen Welt: Es geht in erster Linie nicht um Demokratie, das Volk will Brot und Arbeit.)
Bloß weil Gaddafi das libysche Volk unterdrückt, foltert und von gedungenen Sölnern zerhackschnitzeln lässt, heißt es nicht, dass die Staatengemeinschaft den Libyern ihren Willen oktroyieren kann.

Andererseits: Es hat schon mal funktioniert: Das Kosovo haben wir erfolgreich zurück in den Frieden gebombt. Der erste Kampfeinsatz deutscher Truppen seit brauner Vorzeit.
Ohne eine militärische Operation wäre das frühere Jugoslawien heute ein riesiges KZ mit (ethnisch) sauberer Bevölkerung.
Mit einem dogmatisch vetretenen Pazifismus wäre der Balkan heute ein noch größeres Massengrab, könnte Libyen zu einem solchen werden. Mit Abscheu wende ich mit vom selbsgerechten Zynismus, von der Verantwortungslosigkeit der Pazifisten ab.

Es ist Zeit für Kriegsbegeisterung! Wie 1914 brüllen wir im Chor: "Weichnachten sind wir in Tripolis!" Erschreckend, wie kriegsgeil die deutschen Medien reagieren. "Blut!"

Außerdem hat Libyen Öl, das können wir doch keinem weltfremden Diktator überlassen. Und wo sonst soll man die Schwarzen aufhalten, wenn nicht auf dieser Seite des Mittelmeeres?

Wednesday, March 16, 2011

Das Menü zur Leipziger Buchmesse

  • Buchstabensuppe
  • Buchteln mit Vanillesauce
  • Russisch Brot
  • Und vorab: Ein Salat von – jetzt kommts - Romanesco

Saturday, March 5, 2011

Test ride - then decide

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Und dann sagte sie: „Aber wir können doch vor der Ehe keinen Sex haben!“
„Aber natürlich!“ entgegnete ich, „Du machst doch mit einem neuen Auto auch eine Spritztour, bevor du dich auf den Kauf einlässt.“
„Ja aber, ich kann doch nur einmal das erste Mal erleben, und dass ist nun mal in der Hochzeitsnacht.“
Ich meinte dann nur noch, was für Autos das Neuwagenspray ist, sei für Frauen quasi die Hymenal-Rekonstruktion.
Als ich drei Tage später aus dem Koma erwachte sah ich sie neben mir: ...
... die Broschüre: „Wie ernähre ich mich ohne Unterkiefer.“

Tuesday, March 1, 2011

Merchant of death (It´s our anniversary)

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Hi, I´m with the media. Do you wanna buy blood, sex and violence?

I make a living out of it.

…and road holes of course.

That´s my living. Other people´s sufferings, that´s what I benefit, that´s what I leech from.

For one year now I work for this particular paper, facing the tough business of everyday media. Not the price-winning, world-changing feature-article. No: Sports-news, police stories, catastrophes. That´s my bread and butter.

If it bleeds, it leads.
One casualty in the city: Headline. 100 casualties in Africa: Not even a sentence. If there is an unarmed robbery, the story won´t make it to the top of the list. I am in need of dead bodies.

The other day I was thinking: What is going on in the minds of people that get robbed. What does one think looking in a barrel? For them this event is determining their future lifes. A massive experience. For me it´s just a who, what, when, where, why, and how. I crave for more.

A pit-bull shot by police means 50% more readers than an armed robbery on a tan studio, even with titty-photos. It doesn´t bother me. I couldn´t care less. Violence, murder and rape – out there – it´s just raw material to me. The clay of my work.

I am not on the search for truth. Nor am I looking for truthfulness (Wahrhaftigkeit).

I am a merchant of death.