Saturday, December 31, 2011

Die Freude am Helfen

Seit ich zu Weihnachten nicht mehr an irgendwelche Hilfsorganisationen spende, überkommt mich zum Ende des Jahres ein schlechtes Gewissen. Aus diesem Grund dachte ich, ich gebe der Menschheit etwas zurück. Ich habe mich daher bei der Caritas in der Telefonseelsorge engagiert.

Nach einem Briefing, dass eben so kurz war wie der Rock meines Gegenübers, sollte es losgehen. Ich hatte gelernt das kurze Röcke gut sind. Nun saß ich also am Telefon der Selbstmordhotline, und harrte der Dinge, die da kommen mögen.

"Schrill!" Klingelte das Telefon.
"Guten Tag, sind sie die Telefonhotline?"
"Ja, wie kann ich ihnen helfen?"
"Ich will mich umbringen."
Okay dachte ich, mein erster Fall: " Tu es! Tu es! Tu es! Tu es! Tu es! Tu es! Sind sie noch dran? ... Ja? ... Tu es! Tu es! Tu es!" Mein Gegenübr legte sehr abrupt auf. Das fand ich etwas ungehörig. Ein simples: "Ich nehme jetzt Abschied" hätte gereicht.
Fall gelöst.

"Ringel-Dingel", schepperte mich das Telefongerät aus meinen Träumen.
"Die Selbstmordhotline, wie kann ich Ihnen helfen?"
"Ja guten Tag, ich will mich gerne umbringen, können sie mir da helfen?"
"Aber natürlich, wo liegt denn das Problem?"
"Ich habe vor, mir die Pulsadern aufzuritzen..."
"Ah, ich verstehe", entgegenete ich. "Ich weiss, wo ihr Problem liegt. Glauben sie mir, sie müssen sich die Venen der Länge nach aufschlitzen.
Dann läuft das!"

Mir wurde in der Zwischenzeit langweilig. All diese vom Gegenwartsdruck zerstörten Seelen. Öööde! Ich bastelte mir aus einem Radiergummi einen Stempel in Menschengestalt, mit dem ich an meinem Monitor die endgültig gelösten Fälle vermerkte.

"Kalingeling!", Elendes Telefon!
"Ich brauche Hilfe", schluchzte es mir entgegen.
"Vielleicht hilft ihnen diese kleine Analogie weiter: Drei Schweine stehen auf de Brücke. Erstes huppt runter: tot. Zweites huppt runter: tot. Drittes huppt runter: ni tot. Huppt noch ma runter tot. Alles klar?"
Abgestempelt.

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