Im Sommer 2011 wird es über 7 Milliarden Menschen auf der Erde geben. Auch Mitteleuropa trägt sein Schärflein dazu bei. Allein in Deutschland wurden im vergangenen 20.000 Kinder mehr geboren als im Vorjahreszeitraum. Das ist ein ordentlicher Satz nach vorn, eingedenk der Tatsache, dass wir 2010 die Folgen einer Wirtschaftskrise zu verkraften hatten.
Die beliebtesten Namen 2010 waren Mia und Leon. Eltern solch benannter Kinder darf man durchaus in der Nähe des Prekariats-Milieus verorten. Es liegt folglich die Vermutung nahe, dass arme Menschen überdurchschnittlich viele Kinder bekommen.
Im Hartz IV Satz sind 15,55 Euro monatlich für Gesundheitsleistungen vorgesehen – Vorsorge inklusive. Nach Angaben der „Süddeutschen“ betragen die Aufwendungen für Empfängnisverhütung monatlich bis zu 16 Euro. Für Leistungsbezieher ist es de facto nicht vorgesehen, dass sie verhüten. Nach Angaben der Beratungsorganisation „Pro Familia“ ist die Zahl der regelmäßig verhütenden Hartz-IV-Empfängerinnen seit 2005 von 67 Prozent auf 30 Prozent gesunken.
Arme Menschen können sich Verhütung nicht leisten und bekommen mehr Kinder. Es ist evident, dass in Deutschlands Schulsystem sozial benachteiligte Kinder schlechtere Chancen haben als besser gestellte. Die Kinder bleiben also arm und somit im gleichen System gefangen wie ihre Eltern.
Unser Außenminister Westerwelle fasste diese Beobachtung vor Jahren mit dem griffigen Satz: „In Deutschland bekommen die Falschen die Kinder“ zusammen.
Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske forderte am 23. Dezember, Verhütungsmittel für Bezieherinnen von Sozialleistungen kostenfrei zu stellen. Er begründet dies unter anderem damit, dass ein Schwangerschaftsabbruch das Gesundheitssystem mit bis zu 500 Euro belastet. Nach Angaben von „Pro Familia“ liegen die Kosten mit 360 Euro bis 460 Euro.
Wenn eine Frau im Durchschnitt alle zweieinhalb Jahre schwanger wird und abtreiben lässt – in Osteuropa immer noch die gängigste Methode der Familienplanung – stehen die Sozialsysteme besser da, als wenn man den Frauen die Pille zahlt. Wenn man einkalkuliert, dass es nach mehreren Abbrüchen zu Unfruchtbarkeit der Frauen kommen kann, erhöhen sich die positiven Effekte für die Sozialsysteme sogar noch. Als übelmeinender Mensch könnte man von einer impliziten Zwangssterilisation von Prekariatsangehörigen oder gar Asozialen sprechen. Das kann aber so keiner gewollt haben! Gegeben haben soll es das hingegen schon früher einmal.
Wednesday, December 29, 2010
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