Sunday, September 27, 2009

Der Demokratie wurde Genüge getan

Leipzig – 8:00

Eigentlich wollte ich vor dem Wahllokal stehen und feststellen „Meine Uhr geht 2 Minuten vor.“ Aber ich schlafe – auf dem Bauch.

Leipzig - 10: irgendwas

Der Bedeutung dieser historischen Wahl trage ich mit einer Krawatte unter einem sauberen Hemdkragen Rechnung. Das Wahllokal ist voller Rentner. Magenkranke Graukappen verstopfen die Gänge mit ihren Gehhilfen.

Hinter dem 3-flügeligen Papp-Paravent öffne ich ein Bier. „Shit!“ Es suppt.
Die Kreuze sind rasch gemacht, ich packe den Flaschenöffner ein und ein übelstes Grinsen aus.
Mit einem offenen Bier in der Hand schreite ich die Parade wahlhelfender Staatsbediensteter ab. In ihren Augen erblicke ich Anflüge von Fassungslosigkeit und Entsetzen. Nur der Mann an der Wahlurne – an seiner Brille erkennt man seinen bildungsbürgerlichen Anspruch – scheint meine Idee und meine damit einhergehende Verachtung des Politikbetriebs zu begreifen.

Mit einem offenen Bier in der Hand wandele ich hinter magenkranken Rentnern durch die Flure einer Schule. Die Sonne strahlt, ich stelle mich an die Treppe, lasse meinen Blick abschätzig über die versammelten Kohorten CDU-wählender Stützstrumpfträger schweifen. Mit einer Mischung aus Demenz und „Diese Jugend heutzutage!“ blickt man auf den trinkenden Jüngling.

Ihr nehmt die Wahl doch alle ernst! Aber ich muss in der von Euch gewählten Zukunft leben, während Ihr längst verrottet! Ihr nehmt die Wahl doch alle ernst, und macht Euch zum Gespött der Politiker.

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