Ein Gedankenspaziergang
Der Urveganer als solcher ist ja genussfeindlich eingestellt. Je nach Grad des in Anwendung gebrachten Dogmatismus hat der Gemüseschlächter nichts zu lachen. Jetzt ganz neu, und garantiert spaßfrei: Veganer-Porno – ganz ohne Tiere! Jaahaa! Wer hätte gedacht, dass Pornos ohne Tiere möglich seien! (Ähhhm, natürlich begreife ich in dem Fall den Menschen auch als Tier. Nicht, dass hier Missverständnisse entstehen.)
Nirgends sind wir näher am Tier, als im Bett. Hmmm. Das lässt jetzt natürlich die ganze Gilde philosophischer Anthropologen (Gehlen, Plessner, Schelsky, usw.) dumm da stehen. Statt jungen Studentinnen nachzustellen, widmeten sie ihre gesamte Karriere der Suche nach dem, was den Menschen ausmacht, was ihn vom Tier unterscheidet. Dann komme ich und klär das mal eben anhand einiger Baumschmuser auf – schon mies. Hätten sie die Philosophiestudentinnen doch nur ... naja, Akademiker halt. In Gedanken opfere ich einen Grünkernbratling des Mitleids.
Ist es nicht vermessen, als Mensch über sich selbst zu urteilen? Unmöglich einen wahrhaft objektiven Standpunkt einzunehmen. Ich wäre auch lieber Krone der Schöpfung (was heißt wäre, ich bin) als ein enthaarter Affe. Wenn ein alter Wegbereiter der Nazi-Ideologie wie Arnold Gehlen den Menschen über seine Umwelt erhebt, kann man das verstehen. Aber Gehlens Handlungsbegriff trifft ebenso auf Termiten und Blattschneideameisen zu, seine Weltoffenheit auf Schleimpilze. In der Zuspitzung seines Handlungsbegriffes gelangt man zur Annäherung über Sprache. Wie spanische Conquistadoren im Inkareich ignorieren anthropologische Philosophen andere hochleistungsfähige Kulturen und deren Errungenschaften. Wenn Ameisen mittels Duftstoffen kommunizieren, wer sagt uns, dass sie dabei nicht nach dem Sinn des Lebens fragen? Wir verstehen ihre Sprache nicht – ihre Kultur. So wie man einst die Gesellschaft der Inkas missachtete, ignorieren wir (naja, ich nicht, die doofen Philosophen) Kulturleistungen unserer kleinen sechsbeinigen Freunde.
Wenn man alle Menschen in eine Waagschale wirft und alle Ameisen in die andere, dann bleibt diese Waage im Gleichgewicht. So stand es vor vielleicht 10 Jahren in der Geo. Leben wir nun also im Zeitalter des Menschen oder im Zeitalter der Insekten? Ist natürlich klar: ich lebe im Zeitalter des Menschen. Die verdammte Mücke, welche mir diese Nacht verdarb, sieht das bestimmt anders. Ein Floh kann einem Löwen mehr zu schaffen machen, als ein Floh einem Löwen. So in der Art. Wenn wir (hoffentlich bald, das Fernsehprogramm ist ohne Krieg so öde) demnächst die Erde mittels toller Atombomben oberflächlich pulverisiert haben, lachen sich die Küchenschaben ins Fäustchen. Die Ameisen auch. Beim Hirschkäfer bin ich mir nicht so sicher. Während wir zu einem mittelmäßigen Mineraldünger zerbrößeln (oder hat schon mal wer Weizen auf nem Friedhof wachsen sehen?) ziehen die ihr Ding einfach durch.
Und wer ist Schuld? Die Veganer! Und Greenpeace! Jawoll!
A propos, ich hab ein tolles Greenpeace-Frühstücksbrettchen. In Pottwalform. Da passen wunderbar vier Scheiben Toast drauf, und man kann den Wal immer noch perfekt am Schwanz anfassen.
Da haben wir es doch! Einem Wal gefällt es nicht, wenn man ihn am Schwanz festhält. So wenig wie es einer Kuh, einer Katze oder einem Kolibri gefällt, greift man ihnen an den Schwanz.
Männschen gefällt das. Ha! Das also unterscheidet uns vom Tier! Triumph – Triumph! Naja, ist ja jetzt irgendwie doof für die Frauen (respektive, in Anlehnung an meine bahnbrechenden Erkenntnisse: Frautiere). Entweder die Biologen erklären das jetzt mit interessanten (total tollen) Rudimenten, oder sie bekommen das Wahlrecht aberkannt.
Oh wei, was für eine Aussage. Ich versteck mich besser unter einem Stapel violetter Strickpullis, oder ich beantrage Asyl bei einer Ameisenkönigin. Ich schmier mir den Rücken mit Honig ein, und Bienen tragen mich in ihren Korb. Auch ne Königin da. Sieht ganz danach aus, als ob die Frauenbewegung im Reich der Insekten weiter vorangeschritten ist als unter der „Krone der Schöpfung“.
Thursday, August 21, 2008
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