Der Posterboy des islamistischen Terrors ist tot. Zehn Jahre nach der kalten Restrukturierung der Flächen um das WTC ist die Reinkarnation des Anti-„Christen“ von militärischen Sonderkommandos in einem Drittstaat umgelegt worden.
Spiegel und Süddeutsche widmen seinem Ableben die ersten fünf Topthemen, NYT, Guardian und NPR haben den bärtigen Mann prominent auf ihrer Topseite.
Und doch... ...auch wenn es zu spontanen Jubeldemonstrationen kam, auch wenn alle Islam-, Terrorismus- und Scholl-LaTour-„Experten“ in den kommenden Tagen vor die Kameras gezerrt werden, die Meldung von Osamas Tod hatte sich bereits überlebt, als sie in den Äther gejagt wurde.
Der News-Cycle „War-on-terror“ ist längst abgeschlossen. Osama bekommt kein Special, wird nicht Man of the Year bei Time. Wenn er Glück hat taucht er als Randnotiz in einem dieser schrecklichen Jahresrückblicke auf. Er ist dieser isländische Vulkan mit dem doofen Namen des Jahres 2011.
Ganze zehn Jahre ist 9/11 inzwischen her - die Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts. Schon seit Jahren müssen deutsche Sicherheitspolitiker neue Feindbilder bemühen, um ihre Law-and-Order-Gesetzte durchs Parlament zu prügeln. Seien es Kinderschänder oder Autonome mit Brandsätzen. Vor dem islamistischen Terror gab es das Organisierte Verbrechen in Gestalt süd-und südosteuropäischer Mafia-Synsikate, davor die RAF und den Kommunismus, Punks, Hausbesetzer, Atomkraftgegner, 68er, Jugendliche, Juden und Sozialdemokraten.
Ein Bild, das man den Menschen vorhält: Da schau, das ist das Böse! Nichts mehr.
Vier Häuser (in Toplage, Investoren bekommen diese rotierenden Dollar-Zeichen in den Augen, wenn sie nur daran denken) hat er eingerissen, der Osama. Und ein paar Quadratmeter Kriegsschiff zuvor. Zweifelsohne ein böser Mensch.
Und dann überlege ich, wieviele Häuser in den vergangenen Jahren wohl abgerissen wurden. Eigenheime, finanziert mit Subprime-Krediten, verpfändet und davon gelebt. Wieviele Existenzen wohl das Platzen der Immobilienblase in den USA zerstört hat? Oder das Platzen der DotComBlase? Oder die Rodung brasilianischer Regenwälder zum Soja-Anbau, damit die Ökos ihren Chai-Soja-Latte schütten können? Was hat unser aller Leben mehr beeinflusst: 9/11 oder Lehman-Brothers?
Und ich denke daran, wieviele Soldaten von IEDs (improvisierte Sprengfallen) zerhackt worden sind, wieviele Menschen von 5,56mm-Munition dursiebt. In Afghanistan, im Irak, in Pakistan.
In Afghanistan starben bislang 2600 Koalitionssoldaten ...und ein paar Towel-Heads. Im Irak kommt man auf etwa 5000 Tote aus dem Westen, zuzüglich der paar toten Hadschis. Männer ohne Beine, Arme, Augen, Familien ohne Väter, Brüder, Söhne. Menschen, die vom Krieg traumatisiert sind – nein, sie tauchen nicht auf.
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Das sind die Toten des 11. September 2001. Das kann doch nicht richtig sein. So viel Leid und Unglück, nur um der Sühne und der Rache willen? Soviele Tote, nur weil dieser bärtige Saudi nicht ganz richtig im Kopf, dafür umso besser versteckt war? Eine Blutfehde zwischen den USA und den anderen. „Auge um Auge – Zahn um Zahn.“ Wenn dein Clan einen von uns umbringt, schlachten wir einen von deinen ab. Ja, und rotten nicht gleich den ganzen Stamm aus. Die Botschaft scheint bei den guten Christenmenschen aus Amerika nicht verfangen zu haben.
Achso: Jetzt wo Usāma ibn Muhammad ibn Awad ibn Lādin tot ist, muss man da noch die Gefangenen der Guantanamo Bay nach seinem Verbleib befragen?
Monday, May 2, 2011
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