Monday, August 31, 2009

Stille (Eins)

A Gonzo piece


Der Typ mir gegenüber ist kaum älter als ich, doch sein Haaransatz ist schon weit hinter die Ohren zurückgewichen. Mit einem fettigen Scheitel versucht er sein bares Haupt zu verbergen. Was der permanent Laptop-Bildschirm ablesende Gesichtskrüppel wirklich verdeckt, ist die hübsche Schwarzhaarige am Tisch mir gegenüber.
Über einem schwarzen Shirt ein leichtes, dunkelgrün und bunt bedrucktes Hemdchen: der Stoff ist so fadenscheinig wie billige Polyester-Gardinen asiatischer Straßenhändler. Schwarze Leggins und graue Hotpants, die den knackigen Arsch mehr als nur gut zur Geltung bringen.

Scheiße, ihre Schicht in den Bücherbergwerken ist hier wohl zu Ende. Wirklich ein hammergeiler Körper, und das dazu passende Gesicht. Studiengang und Style passen. Und ich sitz hier...
Go for it!
Los hinterher!
Was hält dich denn auf?!
Verdammt?!

Scheiße... ...ich tipp lieber schnell was über die hässliche Hackfresse mit dem Schmierscheitel. Er muss Schuld sein.


„When speaking to women Hunter could make them feel as if they were the center of the universe. His eyes bore into theirs, and while they spoke, he draw thoughtfully on his pipe, often nodding in agreement with what they said. It was an act, his friends said, and it often worked.”


Am Kopierer neben mir steht irgendsoeine gesichtstechnisch abgewirtschaftete Keimschabracke, die ich wohl aus einem PR-Seminar kennen muss. Sie kopiert schon geschlagene dreißig Minuten.
Geh endlich weg!
Ich will nicht das jemand sieht, dass ich nur langsam und mit zwei Fingern tippen kann!

Der im Blickwinkel sitzende Haar-Looser nervt maximal. Sein Gesicht erinnert an das eines Hundes, kurz bevor man ihn erschießt. Ich habe einen beschissenen Platz erwischt heute.
Durch das vergitterte Fenster zum Hof sehe ich, wie die Sonne hinter dem gegenüberliegenden Flügel der Albertina verschwindet. Ein dicker Mann schiebt seinen Bauch vor sich her. Brummelnd, wiederkäuend schlurft er durch den Innenhof.

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