Anton Schlecker hat sein Unternehmen als unbeirrbarer Patriarch geführt. Das Filialnetz seiner Drogeriekette metastasierte über Deutschland wie ein bösartiges Geschwür. Sobald ein dunkler Kellerverschlag leer wurde, setzte Schlecker eine einsame, unterbezahlte Frau ohne Perspektiven hinein und ließ sie ein eher dürftiges Sortiment verkaufen.
Kleine, dunkle, vollgeramschte Läden, in denen die Hälfte der Artikel fehlte, erhellt von einer flackernden Neonröhre, das ist das Bild, dass man von Schlecker-Filialen im Kopf trägt. Auf diese Art behandelte Anton Schlecker seine Kunden. Eine Mitarbeiterin, die zwischen Kasse, Wischmopp und verpackter Ware pendelt, kärglich entlohnt, von Vorgesetzten unter Druck gesetzt, unbezahlte Überstunden leistend, das ist die Wertschätzung, welche Anton Schlecker seinen Angestellten entgegen brachte.
Er war ein knallharter, menschenverachtender Firmenlenker und Kapitalist. Sein Konzept ging nicht auf. Die Kunden waren nicht bereit, es länger hinzunehmen, dass die Verkäuferinnen schlecht behandelt wurden, waren nicht bereit die Lücken im Sortiment länger zu akzeptieren, die düstere Atmosphäre in seinen Verschlägen.
Der Kunde hat entschieden. Er wollte Schlecker nicht mehr.
Das ist Marktwirtschaft. Teilnehmer, die sich am Markt nicht durchsetzen können, gehen unter. Das passiert täglich. Ohne. Dass. Es. Jemanden. Interessiert.
In der sozialen Marktwirtschaft soll ein Sicherungsnetz existieren, dass Arbeitnehmer wie im Fall Schlecker vor dem Schlimmsten beschützt. Dieses System ist auf den Zusammenbruch von Firmen eingestellt. Für die Schleckermitarbeiterinnen ist de jure gesorgt.
Doch was geschieht?
Ausgerechnet Schlecker, noch vor Wochen die Ausgeburt des bösen, herzlosen, menschenverachtenden Arbeitgebers, soll mit staatlichen Mitteln gerettet werden?
Die FDP wird als kalt und herzlos verschrien, weil sie sich in Bayern gegen Bürgschaften für dieses Krisenunternehmen aussprach. Ein Unternehmen, dem Wirtschaftsprüfer keine Zukunft attestierten. Ein Teil der ohnehin unterbezahlten Mitarbeiterinnen sollte für einen Bruchteil des bisherigen Lohns in einer Auffanggesellschaft unterkommen. Dort sollten sie ein Jahr lang Bewerbungstrainings durchlaufen und Lebensläufe schreiben. Maßnahmen, die die Arbeitsagentur ohnehin anbietet.
So schlimm der Arbeitsplatzverlust für die Schlecker-Mitarbeiterinnen im einzelnen sein mag, im großen ist es richtig, dieses Unternehmen aufzugeben. Anton Schleckers Methoden haben am Markt versagt. Misswirtschaft hat keine staatliche Unterstützung verdient.
Friday, March 30, 2012
Subscribe to:
Post Comments (Atom)
No comments:
Post a Comment