Früher, als man jung und blöd war, baute man sich aus schier jedem Bike eine Abfahrtswaffe auf. Auch die Traumbikes der damaligen Zeit waren nach heutigen Standards blöd. Aber Träume sind dazu da, sie sich zu erfüllen, der Winter vergangene Winter war lang. Ganz klar: Zeit für ein „Projekt“.
Um die Jahrtausendwende brachte Scott die G-Zero Linie auf dem Markt, leichte XC-Fullys, Eingelenker, mit 10 bis 12,5 Zentimetern Federweg. Damals state-of-the art, heute auf Ebay nur noch von deutschen Rentnern zu erwerben, mit Schutzhttp://www.blogger.com/img/blank.gifblech und Gepäckträger.
Es sollte meine Interpretation eines Freeriders werden, ein Bike, mit dem man alles fahren kann. Ein Bike, dass man einmal aufbaut, und an dem man in zehn Jahren höchstens die Reifen wechselt. Ich hatte genau den Trail im Hinterkopf, für den es gebaut werden sollte. Und die Musik. Alles von mir selbst aufgebastelt, bis hin zum Lack.
Es sollte so unaufwendig und billig wie möglich werden. Singlespeed, nur eine Bremse, BMX-Vorbau, Serienlenker. Statt einer Kettenführung hätte ich einfach das große Kettenblatt abgefeilt, als Bashguard, den Umwerfer hätte ich fix gestellt als Führung. Das war zumindest der Plan.
Nun ja, man(n) tendiert dazu extrem zu werden.
Das Basisbike war spottbillig auf Ebay, ein Scott G-Zero FX-2 (zweithöchstes Modell) – ein Rentnertourenrad. Jede Schraube war in Fett ertränkt, alles war penibel gepflegt. Op-Ti-Mal! Auch die Ausstattung ging, von Kleinigkeiten (Lenker, Vorbau, Reifen, Kurbel, Kettenführung, Sattel) klar.
Bis zum 1. April 2011 wollte ich es fertig haben. Nun ja, am Ende der kalten Jahreszeit war es tatsächlich fertig - also Anfang August.
Ich habe mehr Geld in Werkzeug und Porto investiert als die Nasa in ihre Spaceshuttle-Flotte. Allein für die passenden Dämpferbuchsen habe ich sechs Anläufe gebraucht. Drei Innenlagerwerkzeuge waren nötig.Jedes Teil habe ich auseinander genommen, mit WD-40 gereinigt, gefettet, jede Schraube mit Locktite gesichert. Den Rahmen habe ich im Bad angeschliffen und bei einem Freund in der Werkstatt – in einer abenteuerlichen Blumendraht-Konstruktion aufgehängt, lackiert.
Mit nur einem halben Jahr Verzögerung war es dann soweit. Ich habe einen Tag frei genommen, mich Abends noch hingesetzt und aus allen knüppelharten Hammertracks nur die übelsten Gedresche-Parts rausgeschnitten.Ein mehr als nur dilletantischer Mix (pathologisch unmusikalisch - und weil es echt schlimm ist, hab ich gleich die Bildergalerie damit unterlegt)) von etwa 180 bpm. Nur grob. Perfekt. Am nächsten Tag ging es auf den besagten Traumtrail.
Schoner an, Fullface auf, Mucke auf Anschlag. Zaaaaannng! Grinsen. Fettes Grinsen.Diesen Winter baue ich ein Cylocross-Rad auf. Es fehlen noch genau vier (4) Schrauben.
Im einzelnen:
• Scott G-Zero FX 2 2001, 10 cm Travel, in feinster BMX-Manier umlackiert, neue Lager
• Rock Shox Bar 2.1, Zugstufe
• Marzocchi DJ III, 10 cm Travel
• Tioga Headset, Nadellager, mit Hohlschraube
• Truvativ Hussefelt Vorbau, 40 mm
• Sixpack Menace, 720mm, 25mm rise
• Mankind BMX-Griffe
• Magura Julie, 180/160
• Shimano Deore Naben, DT 2.0, Mavic X223
• Maxxis High-Roller FR 2,35“ (v: 42a/h: 60a)
• Shimano XT SW, Deore Shifter, Deore Kassette (8-fach, wegen Schmutzresistenz), Wippermann Kette, Schutzbügel
• Shimano Deore Octalink I Kurbel (innere Aufnahme mit einer Schlichtfeile (!!!!) abgefeilt), 32er KB, Truvativ Blümchen-Bashguard, Alu-Schrauben aus Kanada, Truvativ-Boxguide mit Gummidichtungen getunt
• Gusset Kunststoffpedale, mit Stahlpins
• Ritchey Comp Seatpost, Tioga Multicontrol II Nicolas Vouilloz Edition (Leder, Kevlar, Titanstreben)
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