Nach meiner Geburt wurde ich in ein Tretboot gelegt und auf dem Fluß hinabtreiben lassen. Ganz recht: man trieb mich ab. Mamma lupa fand mich am Ufer. Ich wurde von einer Familie von Fahrrädern adoptiert. Ich wuchs mit Bikes auf. Später gründete ich die Stadt Triathlon. Es wurde an einem Tag erbaut. Aber das alles tut hier nichts zur Sache.
Als ich mit dem Biken anfing, gab es nur Cross-County (XC) und Downhill (DH). Die einen fahren schnell hoch, die anderen schnell runter. Was wir heute als Mountainbiking kennen, entstand in den späten Sechzigern und Siebzigern im kalifornischen Marin County.
Bärtige Hippies in Jeans schoben 50-Pfund schwere Clunker – alte Schwinn-Cruiser aus den Dreißigern – Berge wie den Mount Tamalpais hoch, um anschließend die Forststraßen runter zu heizen. Für den Sieger gab es ein Päckchen Gras oder ein paar Bier. Die ersten Biker waren Downhiller. (In diesem Kontext sollte man sich unbedingt die Dokumentation Klunkerz anschauen.)
Racing und Nicht-Racing
Zu der Zeit machte das Wort vom „Freeride“ die Runde. Cannondale wollte sich sogleich die Rechte daran sichern.
Racing war nicht nach jedermanns Geschmack und abseits des Flatterbandes gab es haufenweise Fahrer, die nur zu ihrem Vergnügen im Sattel saßen. Seit Hans Rey (z.B. Monkey See, Monkey Do) waren Bikevideos eine feste Größe. Den Impact, den jedoch „Kranked“ hatte, konnte niemand vorhergesehen haben. Was damals mit 20-Kilo-Boliden veranstaltet wurde, mach ich heute aus der kalten mit dem Hardtail – aber für 1998 war es radikal neu. Weil Cannondale die Rechte wollte, nannten sich diese Fahrer damals FRO-Rider. Doch war das Freeride? Sich in Sandgruben Abhänge hinunter zu stürzen?
Branding the Game
Freeride war ein großes Thema, als ich das erste Mal ein Bikemagazin aufschlug. Die Marketingabteilungen hatten es entdeckt. Freerider, so die quasi-amtliche Definition damals, sollte ein Bike zwischen XC und DH sein, ein Bike mit dem man genauso gut den Berg hinauf, wie wieder hinunter kommt. Gewicht, Federweg – etwa 10 bis 15 Zentimeter waren okay - und Geometrie bewegten sich mittig zwischen diesen beiden Extremen. Die Skala war nunmehr: XC – FR – DH.
Dann kamen neue Videos, dann kamen die Hardcore-Freerider. Irgendwo zwischen FR und DH. Freeride-Bikes wurden schwerer und heftiger, aus diesem Grunde erfanden die Marketingabteilungen das Endurobike. Bikes mit denen man den Berg genauso gut hoch wie runter kam. Moderates Gewicht, moderate Geometrie und ein Federweg zwischen 10 und 15 Zentimetern.
Dann kam das Long-Travel-Enduro mit mehr Federweg, mehr Gewicht und radikalerer Geometrie. Das nächste Bike, mit dem man den ganzen Berg fahren können sollte nannten die Marketing-Wizards dann folgerichtig Allmountain. Jawoll, Federweg zwischen 10 und 15 Zentimetern, alle Maße bleiben im Rahmen. Heute sieht es so aus:
XC – Marathon – Tour – Allmountain – Enduro – Freeride – Downhill.
Ziemlicher Quatsch in meinen Augen.
Freeride
Als ich das erste Mal „Freeride“ hörte, hatte ich ein ganzes anderes Bild vor meinem inneren Auge. I remember it very well. Freeride bedeutete für mich Fahren abseits der Wege. Sich mit dem Bike durchs Unterholz quälen, über Baumstämme holpern, Zweige ins Gesicht kriegen. Fahren im unwegsamen Gelände, auf Grund, der noch nie zuvor von einen Stollenreifen touchiert wurde. Natürlich unter Ausnutzung der Schwerkraft – aber nicht ausschließlich.
Dazu hätte es keines DH-Boliden bedurft, keiner kippligen XC-Feile. Ein robustes Bike. Ein funktionierendes Bike. Ein einfaches Bike. Ein Bike, mit dem man sich den Anstieg zur Not auch selbst erarbeiten kann. Ein Bike, einfach nur zum rumheizen. Ein Bike mit dem man alles fahren kann. That´s the Freeride spirit.
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