Tuesday, September 27, 2011

Selbstbedienungsladen

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„Was springt für mich dabei raus?“ fragen sich die 93 Abgeordneten der FDP im 17. Deutschen Bundestag. Ihnen schwimmen die Felle davon, vor gerade mal zwei Jahren mit 14,6 Prozent der abgegebenen Stimmen in das Hohe Haus eingezogen, muss den meisten der Abgeordneten, um nicht zu sagen, allen der Hinterbänkler, klar sein: Es war die erste und einzige Legislaturperiode.

Hat nicht „Was isser denn gerade für ein“-Minister Rösler einst gesagt: Mit 45 sei er raus aus der Politik?
Vor Frechheit und Chuzpe möchte sich mir der Magen umdrehen. Was sind das für Menschen? Menschen, die nicht nur die Zukunft von 80 Millionen Deutschen bestimmen. Als politische Vertreter einer der wirtschaftlich bedeutendsten Nationen der Welt entscheiden sie mit über das Wohl und Wehe der nunmehr 7 Milliarden.


Die FDP hat „Lieferschwierigkeiten“, wie es so unschön heißt. Man krebst irgendwo bei 5 Prozent, wenn man überhaupt wieder in das Parlament einziehen darf, dann gesundgeschrumpft auf ein Drittel.

Die FDP hat „Lieferschwierigkeiten“, wie es so unschön heißt. Verkommen zum Ein-Themen-Wahlverein konnte sich die Partei in der Regierung nicht durchsetzen. In keinem Punkt. Man ist das Stimmvieh der Kanzlerin, und im übrigen hält man sich an Schnittchen und Edel-Italiener.

Es ist erschreckend, das Fußvolk der Liberalen in der aktuellen Debatte um den Außenminister vor den Kameras zu sehen. Ein diskreditierendes Stereotyp ohnesgleichen. Gelackte Gelhaar-Äffchen in maßgeschneiderten Schurwolle-Anzügen. Die Business-School im Herzen tragend, die Dollarzeichen in den Augen. Die Felle schwimmen ihnen davon, könnte man meinen. In der Welt der Politik mag man damit recht haben, doch wäre das zu kurz gegriffen.

Gerhard Schröder, Roland Koch, Joseph Fischer, Werner Müller, Stefan Mappus, Friedrich Merz, Dieter Althaus, Wolfgang Clement, ... ihnen gemeinsam ist, nach einem erfüllten Leben in der Politik fragten sich diese, und viele weitere: „Was springt für mich dabei heraus?“

Sie wechselten in die Wirtschaft.

Man kann unseren Voksvertretern vieles vorwerfen: Sie seien gierig, verschlagen, unmoralisch, seelenlos, dumm, korrupt, inkompetent, arrogant, unreflektiert und sprunghaft. Eines jedoch sind sie nicht: Schlecht vernetzt. Sehe ich die Mittdreißiger der Liberalen, dann sehe ich eine erfolgreiche Zukunft an den Schaltstellen der Macht. Natürlich nicht in der Politik. An den Schaltstellen der Macht, sagte ich!

Das politische Berlin ist zu einem Selbstbedienungsladen verkommen. Nicht wie in Italien oder Südosteuropa, wo sich die Abgeordneten schamlos aus dem Staatssäckel bereichern. Man klaut auch keine Tacker und Stifte. In Deutschland geht man behutsamer vor.

Sie reißen an sich, was sich an Kontakten anbietet. Ein kleiner Gefallen hier, ein Termin da. Foto, shake-hands, Wollen Sie Partner in unserer Kanzlei werden? Der Bundestag ist verkommen zum Xing, zum facebook der jungen Abgeordneten-Riege. Eine vierjährige Legislaturperiode mag zu kurz sein, um politisch etwas zu gestalten. Um sich für die Zeit danach ans sichere Ufer zu retten, sind vier Jahre gerade Recht. Macht sich doch gut im Lebenslauf, so ein MdB.

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