„Hey, ich würde mich gern bei Deiner Freundin entschuldigen.“
Es war ein Samstagabend und wir trafen uns in J.´s Wohnung. Es war ein gutes Etappenziel, unabhängig davon, was der weitere Abend bringen würde. Ich hatte schon vorsichtig an einem Glas Wein genippt und war guter Dinge. Nur zwei oder drei der Anwesenden kannte ich.
Nun bin ich verbal recht aufgeschlossen. Man könnte auch sagen, ich versuche mit jedem ins Gespräch zu kommen. So traf ich auf Christof (mit ph). Christof (mit ph) kommt aus Franken. Das liegt in Bayern, wie er sich von mir belehren lassen musste. Ich verstand diesen Satz als Eisbrecher, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mir seinerseits eine gewisse Feindschaft entgegenschlug. Ich möchte, dass jedermann mich toll findet. Also redete ich einfach weiter.
„Wie fühlt es sich an, wenn alle in einem Raum Dich für ein totales Arschloch halten?“, fragte er. Ich muss zugeben, das kam überraschend. Scheiße, das muss der Freund von der Schwarzhaarigen mit der Brille, die ich kurz zuvor zur Promiskuitivität ermuntert hatte. Verdammt. „Ah, sorry, du bist der Freund von der Schwarzhaarigen. Sorry, das konnt´ ich nicht wissen.“
„Alter, du raffst es einfach nicht!“, meinte Christof (mit ph). „Wie ist das so, wenn alle einen hassen?“
„Was willstn Du? Ich find mich klasse! Ich bin hier noch keinem auf den Schlips getreten. Und das mit Deiner Freundin, ey das kommt vor.“ Jedenfalls, sie war nicht seine Freundin, sie war mit einem Lappen in der Konsistenz eines Wackelpuddings und dem Auftreten eines Backsteines zusammen. Hmm. Warum hasst mich mein Couchnachbar so, dachte ich. „Ey, sag mal, wasn los? Was hastn du fürn Problem?“, investigierte ich in seine Richtung.
„Man, was Du mit meiner Freundin abgezogen hast. Wer klaut denn bitteschön in ner Bar? Einen [Stoffart-]schal?!“
Oh, dachte ich.
„Oh!“, sagte ich.
___
Monate zuvor, in einem Laden, der nach einem ins All geschossenen Carnivoren benannt ist, saßen wir: J., ich, M., T.. Ich trank nur ein Bier. Für meine Verhältnisse benahm ich mich sehr gesittet. So unterhielt ich mich die meiste Zeit mit J. über die Politik der FDP und deren Vergangenheit in der Sozial-Liberalen Koalition. Ich hatte in dem Laden wirklich nur ein Bier. Zuvor aber vielleicht schon ein Halbes, oder auch ein Dreivierteles. Es waren auch Frauen da.
„Hey“, sagte ich.
„Hey.“ entgegnete sie.
„Schieß mal dein´ Freund in´ Wind. Der hats doch eh ni drauf. Nimm ma lieber mich.“ Abwinken. Egal, M. wollte ohnehin los. Ich stellte mein 1/3-volles Bier auf den Tisch. Nahm mir eine, soeben von der Bedienung gebrachte, volle Flasche des gleichen Gebräus und stand auf. In meinen Peacoat stopfte ich einen Schal aus weichem Stoff mit Leoparden-Print. Wir gingen vor die Tür.
M. musste sich – draußen verharrend - eine Kippe drehen. Plötzlich kam ein Typ mit sanften, unaggresiven Gesichtszügen aus dem Laden auf mich zu. „Kann ich mein Bier wiederham?“ „Klar, kein Ding.“ Ich übergab das Getränk. Hätte ruhig mal mein 1/3-volles mitbringen können.
Egal, ich nahm den Schal und schlang ihn mir um den Kopf in der Sitte russischer Großmütter. Der Rest des Abends tut nichts zur Sache. (Nur soviel, es eskalierte.)
„Oh, der is aber schön!“ (M.s Freundin) „Yo, hab ich gestern gefunden.“ „Kann ich den haben?“ „Meinetwegen.“ „Dann tu ich ihn gleich in die Wäsche.“
J. rief M. am Nachmittag an und meinte, „Der hat den Schal von Christof (mit ph)´s Freundin gezockt.“ Naja, er kam ihn abholen. „Sorry nochmal, ich war zu.“
Zurück zur (Fast-)Gegenwart
„Ach, du bist der Besitzer von der Freundin, der ich den Schal gezockt hab?! Geil! Ey, sorry nochmal, ich war zu.“ „Alter, das kannste echt lassen.“ (Mit Verachtung im Ton) „Wie kann man nur sowas bringen?!“ ... „Aber ich hab ihn doch verschenkt danach!“ „Jau, den hat er meiner Kirsche geschenkt! Hähä!“, triumphierte M..
Es ist müßig den Fortgang des Gespräches in allen Details wiederzugeben. Christof (mit ph)´s Problem war: Er dachte, es würde mich kümmern. Er nahm mich in der Situation, er nahm mich überhaupt ernst. Alle umstehenden feierten sich über unseren Wortwechsel.
„Du ziehst das ja doch bloß ins Lächerliche", ...und schon musste ich lachen.
Wir brachen auf.
„Hey, ich würde mich gern bei Deiner Freundin entschuldigen“, sagte ich zu ihm, während ich ihm einen Zettel mit Telefonnummer gab. „Rinderhodenjohnny“ stand darauf und „I charge for overweight!“
„Komm, lass einfach“, sagte er kopfschüttelnd.
„Weiß deine Freundin was ein Dammriss ist? Sie soll mich mal anrufen, dann wird sie es rausfinden.“
Die Nacht wurde dann aber trotzdem noch ganz schön.
Friday, February 4, 2011
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