Wednesday, March 3, 2010

Geplänkel

Heute Griechenland morgen Spanien und Italien


Na endlich. Und dann doch wieder nicht.

Wenn ich höre, dass man Managergehälter deckeln und Boni abschaffen soll, dann leuchtet bei mir das Populismuslämpchen. Möglicherweise mögen nicht-leistungsgebundene Halteprämien den Hang zum Risiko erhöht haben, ursächlich für die derzeitige/vergangene Wirtschaftskrise waren diese sicher nicht.

Klar finde ich es geil, auf reiche Manager zu schimpfen, aber des Pudels Kern ist bei diesen nicht zu finden.


Große Teile des (nicht nur) US-amerikanischen Konsums der letzten Jahre wurde über Kredite finanziert. Man sparte nicht auf ein Haus oder Auto, man lieh sich Geld oder schloss Ratenverträge ab. Viele dieser Kredite waren mit keinerlei Sicherheit hinterlegt, sieht man von Zertifikaten (credit default swaps) ab, welche das Ausfallrisiko absicherten. Man lieh jemandem Geld, bar jeglicher Gewissheit, es je zurück zu bekommen.

Diese Kredite wurden zu Paketen gebündelt, ein paar schlechte, ein paar gute, ein paar Zertifikate, fluffiger Name drüber. Fertig. Diese Pakete, sogenannte collateralized debt obligations oder auch asset backed securities wurden dann emittiert. Zuvor legte man diese Kreditpakete Ratingagenturen vor. Standard and Poor´s, Moody´s und Fitch decken 95% des Marktes ab. Diese drei Agenturen bestimmen über das Wohl und Wehe von Finanzprodukten.

Deren Geschäftsmodell gestaltet sich Folgendermaßen. Ein Emittent von Finanzprodukten, z.B. eine Bank geht mit ihrem Produkt zu einer Ratingagentur, und möchte eine möglichst gute Bewertung (AAA bis D). Je höher das Rating (AAA) desto geringer ist – vereinfacht gesagt - das Ausfallrisiko, desto besser verkäuflich ist das Produkt. Dafür bekommt die Ratingagentur von der Bank eine Provision. Die Emittenten haben kein Interesse ein Risiko ihrer Produkte objektiv darzustellen. Für das Oligopol der Ratingagenturen besteht auch kein Zwang diese Ratings wirklich objektiv vorzunehmen – man möchte ungern seine Kunden vergraulen. Man sägt nicht den Ast ab, auf dem man sitzt. Glaubwürdigkeit? ... Hey! Es gibt nur drei Anbieter!

Nun haben die Ratingagenturen diese ABSs oder CDOs mit Top-Ratings versehen, viele Investoren kauften diese Pakete unbesicherter Produkte mit Top-Ratings ... und fielen auf die Nase.

Die Ratings der Agenturen waren ein finanztechnischer Persilschein. Umettiketiertes Gammelfleisch. In letzter Konsequenz: Betrug am Verbraucher. Man spiegelte mit hohen Ratings eine Sicherheit vor, die es so nicht gab, dies führte zu der damaligen Hausse bei solchen Finanz-Vehikeln.


Dieser Zusammenhang wird in der öffentlichen Diskussion nahezu ausgeblendet. Die Regierungen krakeelen lieber von Boni-Beschränkungen, anstatt konstruktive Veränderungen zu bewirken.

Nun geht es den „Mächtigen“ dieser Welt (Europa) an den Kragen. Griechenland ist am Arsch. So groß die strukturellen Defizite auch sein mögen – durch die Herabstufung des Ratings von Standard and Poor´s und Fitch verkommen griechische Staatsanleihen zu Zockerpapieren, ebenso wie Zertifikate zu deren Absicherung. Kredite für Griechenland werden über die Maßen teuer, so verschärfen sich die bestehenden Probleme nur noch weiter.

Dabei ist offensichtlich, dass die EU oder gar der IWF einspringt, sollte Griechenland zahlungsunfähig werden. Das Ausfallrisiko ist gleich Null. Von meiner Warte aus handelt es sich bei der Herabstufung des Ratings also um eine schlichte Marktmanipulation. Griechenland ist der Leidtragende.

Was also tut die EU? Hey, es soll eigene Länderrankings geben! Aber, eben nur für Staatsanleihen und ähnliches. All die anderen Finanzprodukte werden in der gleichen Art bewertet wie vor der aktuellen Krise.
Danke EZB.

No comments: