Tuesday, January 12, 2010

Y

Meine Lieblingsmaßeinheit ist bpm. Wann sonst kann man das erwähnen? Weiße Nelken sind meine Lieblingsblumen. Meine Lieblingsfarbe ist RAL 1018. Ich habe ganze Bücher voller Lieblingswörter. Nur einen Lieblingsbuchstaben – da muss ich passen.


Vor einer Weile wurde ich gefragt, welches mein Lieblingsbuchstabe sei. Darüber hatte ich mir noch nie den Kopf zerbrochen. So war meine Antwort das komplizierteste und unerwartetste, dass mir einfallen konnte: „Ypsilon“
Auch wenn es sich nach dem Versuch anhört, eine kognitiven Dissonanz aufzulösen: Ich glaub´ ich steh auf Ypsila!

Zu einer Zeit als Airbrush-„Künstler“ noch nackte Frauen auf Lastwagen statt auf Galerieleinwände malten, fand ich in in einer Airbrushzeitung einen Artikel über Carlos Cartagena. Eines seiner Bilder zeigte eine Olive, die in ein Cocktailglas fällt; oder aber den Schoß und Bauchnabel einer Frau. Sex und Alkohol – die besten Dinge der Welt zusammengeführt in einem Vexierbild. Alles was man sah war letztlich nur eine Olive und die Striche eines Ypsilons. Wie kann man einen Buchstaben, der so etwas Schönes darzustellen vermag nicht lieben?

Andererseits ist das Ypsilon ein maskuliner Buchstabe, tragen wir doch ein Y-Chromosom in unserem Genom. Und sieht das Y doch aus wie das männlichste aller Körperteile – in Pullerstellung. Trägt man(n) ein überdimensionales Y auf der Brust, deutet es ganz klar auf das Wesentliche.


Das Ypsilon zwingt einen, sich zu entscheiden. Wie eine Weggabelung streben die beiden Schenkel auseinander. Nach vorn, nach oben, aufwärts. Links oder rechts. Andererseits fließt im Fuß des Ypsilons alles zusammen. Beide Schenkel bilden eine Synthese. Alles ist im Fluss. Das Ypsilon fußt auf einem gemeinsamen Ganzen. Kein links oder rechts mehr – alles ist eins.

Mit einer Häufigkeit von 0,04% ist das Y in deutschen Texten der drittseltenste Buchstabe (vor Q und X). Wenn, dann kommt es nur in Lehnwörtern oder Eigennamen vor. Es war und ist ein Sonderling. Das Individuum unter all den Ts, Rs und Es. Man kann es als Konsonant wie als Vokal verwenden. Es ist ein Ü, ein Jott, ein I. In allerletzter Konsequenz bräuchte unser Alphabet nur noch 23 Buchstaben.
Man ist auf das Ypsilon in vielen wichtige Wörter angewiesen; wie zum Beispiel : Yeah! Yummy! Party! Syphillis und in Sätzen wie: „Meyn Zweytwagen ist eyne Yacht.“

Spricht man im Englischen vom Ypsilon, so sagt man: „Why?“ Welche Frage könnte wichtiger sein, als die nach dem warum? Ein Buchstabe, der es vermag mittels zweier Striche alles zu hinterfragen, hat es verdient mein Lieblingsbuchstabe zu sein.

Why?

1 comment:

Anonymous said...

treffende apologie