Womöglich hätte ich ein Feature schreiben sollen, und nicht so einen gequälten Kommentar. Was solls, Grünau wird weggesprengt, das Schanzenviertel geflutet und Kreuzberg geht an Antidepressiva zu Grunde...
Deadlines sind für Loser.
Aufbruch statt Abriss
Grünau schrumpft. Annähernd die Hälfte der Bewohner hat den einstigen Vorzeige-Stadtteil in den letzten zwanzig Jahren verlassen. Statt Leben findet man häufig nur noch tote Fenster in den bleichen Gerippen der Plattenbauten. Die vormals so begehrten Wohnungen stehen leer, wenn sie nicht bereits dem Abriss zum Opfer gefallen sind. Es scheint, als hätte man das Viertel im Leipziger Westen aufgegeben.
Grünau befindet sich im Wandel. Entweder begreift man diesen Umstand als Problem oder als Chance. Für Stadtviertel gibt es keinen endgültigen Zustand. Sie verändern sich - langsam aber stetig. Noch vor wenigen Jahren galt Connewitz als heruntergekommen. Wer konnte, zog aus dieser Gegend weg. So wurden viele günstige Wohnungen frei - ein Platz für Studenten und junge Familien. Freiraum für Künstler und Musiker. Mit ihnen hielt eine neue Kultur von Cafés, Clubs und kleinen Geschäften Einzug. Connewitz bekam ein ganz eigenes Flair. Es wurde schick in diesem Viertel zu leben.
Nach und nach zog dieses Umfeld Investoren an. Man sanierte die Gebäude. Auf die Pioniere folgten erst Bauarbeiter und dann gutverdienende Anzugträger. Gleiches lässt sich auch in anderen Städten beobachten. Sei es nun im Hamburger Schanzenviertel, in Berlin Kreuzberg oder in der Dresdner Neustadt. Die Mieten steigen. Studenten, Künstler und Kreative ziehen davon. Das Sternburger muss dem Chai-Latte weichen. Wenn Connewitz flächendeckend luxussaniert ist und in Plagwitz die tausendste Galerie eröffnet, dann werden jene Wohnraumpioniere weiterziehen. Dann bekommt Grünau seine Chance. Dann kann es seine Stärken ausspielen:
Grünau liegt nicht fernab der Stadt – hier beginnt die Natur schon am Treppenabsatz.
Grünau hat keinen großen Wohnungsleerstand – es bietet viel Platz für wenig Geld.
Die Gebäude sind nicht alt und verfallen – sie sind eine Spielwiese für Künstler und Architekten.
Keine 40 Jahre ist es her, dass jeder von einer Plattenbau-Wohnung träumte. Heute hingegen gibt man eher einem Leben im Altbau den Vorzug. Die Vorlieben haben sich geändert, und sie werden sich wieder ändern. Nun gilt es, für die Grünauer Wohnkomplexe neue Nutzungsformen zu finden. Die uniformen „Arbeiterschließfächer“ in ihrer jetzigen Gestalt werden keine große Zukunft haben. Schon gibt es einige Ansätze zum unkonventionellen Umgang mit Plattenbauten. Warum nicht ganze Etagen zu Lofts umarbeiten, zu Werkstätten, Galerien und Bars - mit 2,40m Deckenhöhe. Oder gleich die Zwischendecken herausreißen? Auch radikale Veränderungen sind denkbar. Der Vorschlag einiger Künstler aus Halle anlässlich des Wettbewerbs „Shrinking Cities“ sah vor, Sonderwirtschaftszonen für chinesische Unternehmen in Plattenbaugebieten zu errichten. Warum keine Server-Farmen in den Plattenbauten unterbringen, und mit der Abwärme eine Edelpilzzucht betreiben, wie es das Projekt „Bau An!“ 2004 im selben Wettbewerb vorschlug?
Alles ist möglich in Grünau, dieser Stadtteil wird sich Wandeln. Wie genau, das kann niemand mit Gewissheit sagen. Sicher ist nur, den entscheidenden Anteil daran, tragen die Grünauer.
Grünau befindet sich im Wandel. Entweder begreift man diesen Umstand als Problem oder als Chance. Für Stadtviertel gibt es keinen endgültigen Zustand. Sie verändern sich - langsam aber stetig. Noch vor wenigen Jahren galt Connewitz als heruntergekommen. Wer konnte, zog aus dieser Gegend weg. So wurden viele günstige Wohnungen frei - ein Platz für Studenten und junge Familien. Freiraum für Künstler und Musiker. Mit ihnen hielt eine neue Kultur von Cafés, Clubs und kleinen Geschäften Einzug. Connewitz bekam ein ganz eigenes Flair. Es wurde schick in diesem Viertel zu leben.
Nach und nach zog dieses Umfeld Investoren an. Man sanierte die Gebäude. Auf die Pioniere folgten erst Bauarbeiter und dann gutverdienende Anzugträger. Gleiches lässt sich auch in anderen Städten beobachten. Sei es nun im Hamburger Schanzenviertel, in Berlin Kreuzberg oder in der Dresdner Neustadt. Die Mieten steigen. Studenten, Künstler und Kreative ziehen davon. Das Sternburger muss dem Chai-Latte weichen. Wenn Connewitz flächendeckend luxussaniert ist und in Plagwitz die tausendste Galerie eröffnet, dann werden jene Wohnraumpioniere weiterziehen. Dann bekommt Grünau seine Chance. Dann kann es seine Stärken ausspielen:
Grünau liegt nicht fernab der Stadt – hier beginnt die Natur schon am Treppenabsatz.
Grünau hat keinen großen Wohnungsleerstand – es bietet viel Platz für wenig Geld.
Die Gebäude sind nicht alt und verfallen – sie sind eine Spielwiese für Künstler und Architekten.
Keine 40 Jahre ist es her, dass jeder von einer Plattenbau-Wohnung träumte. Heute hingegen gibt man eher einem Leben im Altbau den Vorzug. Die Vorlieben haben sich geändert, und sie werden sich wieder ändern. Nun gilt es, für die Grünauer Wohnkomplexe neue Nutzungsformen zu finden. Die uniformen „Arbeiterschließfächer“ in ihrer jetzigen Gestalt werden keine große Zukunft haben. Schon gibt es einige Ansätze zum unkonventionellen Umgang mit Plattenbauten. Warum nicht ganze Etagen zu Lofts umarbeiten, zu Werkstätten, Galerien und Bars - mit 2,40m Deckenhöhe. Oder gleich die Zwischendecken herausreißen? Auch radikale Veränderungen sind denkbar. Der Vorschlag einiger Künstler aus Halle anlässlich des Wettbewerbs „Shrinking Cities“ sah vor, Sonderwirtschaftszonen für chinesische Unternehmen in Plattenbaugebieten zu errichten. Warum keine Server-Farmen in den Plattenbauten unterbringen, und mit der Abwärme eine Edelpilzzucht betreiben, wie es das Projekt „Bau An!“ 2004 im selben Wettbewerb vorschlug?
Alles ist möglich in Grünau, dieser Stadtteil wird sich Wandeln. Wie genau, das kann niemand mit Gewissheit sagen. Sicher ist nur, den entscheidenden Anteil daran, tragen die Grünauer.
No comments:
Post a Comment