Tuesday, May 13, 2008

Eine einzige Wahrheit - gleich fünf mal

Zu einer Zeit, da Elefanten noch als Arbeitstiere Verwendung fanden, lebten in einem Ort fünf Blinde.
Diese galten als Weise, da sie ohne Augenlicht ihre verbleibenden Sinne um so besser zu nutzen verstanden.
Eines Tages nun saßen diese Weisen zusammen, als ein Elefant neben ihnen seinen Ruheplatz fand.
Von Neugier getrieben, begannen die fünf Blinden dieses Wesen eingehend zu untersuchen.
Der Erste bekam einen Stoßzahn zu fassen und meinte, es müsse sich um einen Wasserbüffel handeln.
"Eine Schlange!" entsetzte es den Zweiten, als er den Rüssel befühlte.
Der Dritte, welcher seine Hand an eines der Beine gelegt hatte, war überzeugt davon einen Baum vor sich zu haben.
Den Schwanz in der Hand, war der Vierte der Meinung, es sei ein großes Maultier.
Nicht sehend wohin, trat der Fünfte in die Hinterlassenschaften des Elefanten.
Nur ein Ameisenhaufen könne dies sein, befand er.
Sich ihrer Sache überaus sicher, gerieten die fünf Blinden in Streit miteinander.
Er habe doch das Horn gefühlt, also ist es ein Wasserbüffel, sagte der Erste.
Der Zweite entgegnete, dass sich ganz gewiss eine Schlange in seinen Händen wand.
"Ich habe doch die Borke ertastet!" rief der Dritte, woraufhin der Vierte meinte,
dass nur ein Maultier einen solchen Schwanz habe.
Der Fünfte, nicht weniger aufgebracht als die anderen, schimpfte, nur Ameisen errichteten solche Haufen.
So stritten sie den ganzen Tag und diskutierten die ganze Nacht.
Jeder war sich seines Ergebnisses sicher. Keiner zog ein anderes in Betracht.
So zerstritten sie sich und gingen ihrer Wege.

Wer eine Erklärung wählt, negiert stets die übrigen Möglichkeiten.